Gedanken zu Beerdigungsgottesdiensten in Zeiten von Corona - von Pastor Martin Ahls

Liebe Leserinnen und Leser,

beim Blick auf die Todesanzeigen in den Tages- und Wochenzeitungen beschleicht mich zunehmend ein ungutes Gefühl. „Aufgrund der derzeitigen Situation haben wir sie/ihn in aller Stille beerdigt“ oder „Aufgrund der derzeitigen Situation ist nur eine Beerdigung im engsten Kreis möglich“ oder andere ähnliche Formulierungen legen den Schluss nahe, dass die Corona-Pandemie auch unsere Beerdigungsriten stark verändert – und das wahrscheinlich langlebiger als das Virus selbst.

Schon seit dem 8. Mai 2020 ist es in unserer Pfarrei möglich, in den sechs Kirchen Gottesdienst für Verstorbene zu halten – mit der Platzbeschränkung für die jeweiligen Kirche, mit Abstand, Mundschutz, Hygiene. Für die allermeisten Beerdigungen wären damit durchaus Zahlen möglich, die für ganz viele Beerdigungsgottesdienste ausreichen, in der St.-Anna-Kirche sind es z.B. 45 Haushalte (was nicht 45 Personen entspricht).

Die städtische Regel, dass dann nur 30 Personen mit auf den Friedhof zum Grab dürfen ist inzwischen auch weggefallen, so dass alle Gottesdienstteilnehmerinnen und Gottesdienstteilnehmer auch mit auf den Friedhof gehen können.

Trotzdem – so zumindest meine Befürchtung – werden wir auch in Zukunft häufig mit Beerdigungen „im engsten Kreis“ oder „in aller Stille“ zu tun haben. So sehr es im jeweiligen Einzelfall auch Gründe dafür gibt, so sehr heißt es doch auch, dass viele Menschen, die in Beziehung zu einer Verstorbenen oder einem Verstorbenen standen, beim letzten Weg nicht dabei sein können/sollen/dürfen. Der Tod wird damit wieder ein Stück aus unserem Bewusstsein geschoben und zur Privatsache erklärt.

Als mein Vater kurz vor dem ersten Lockdown beerdigt wurde, tat es meiner Mutter und mir sehr gut, dass so viele Menschen Anteil daran nahmen und bei seiner Beerdigung dabei waren. Das waren starke Zeichen der Verbundenheit mit ihm – und mit uns. Früher sagte man „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ und da ist auch etwas dran. Das macht einen lieben Menschen nicht wieder lebendig, aber es stützt und stärkt in der Trauer.

„Das macht man doch heute so“ sollte nicht unsere Antwort sein, in Zeiten der Lockerungen in der Corona-Krise schon gleich gar nicht. Nein, wir sollten den Tod nicht den Gefallen tun, ihn aus unserem Leben zu verbannen und unsere Verstorbenen möglichst geräuschlos unter die Erde oder in die Urnenstele zu bringen. Weil wir einander tragen, füreinander da sind, miteinander beten und unsere Verstorbenen nicht vergessen. Und eines sollten wir auf alle Fälle tun, nämlich darüber nachdenken, wie wir selbst aus dem Leben scheiden, denn dass wir aus dem Leben scheiden werden, zumindest das ist todsicher.

Ihnen allen gute Gedanken

Ihr Pastor Martin Ahls